Bericht der Recherchereisen

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Im Mai 2007 reisten die Gewinner des Journalistenpreises 2006 in verschiedene deutsche Regionen und Städte. Die Erstplatzierte Viktoria Mironowa hatte sich dabei neben dem Besuch der Redaktionen von ZDF und N24 in Berlin vor allem zwei thematische Schwerpunkte gesetzt: die sowjetischen Speziallager in Deutschland nach 1945 und die Lebensbedingungen in den deutschen Konzentrationslagern. Zu diesem Zweck besuchte sie die Gedenkstätten Sachsenhausen, Ravensbrück, Hohenschönhausen und Buchenwald. Die Mitarbeiter der Gedenkstätten zeigten sich sehr engagiert und standen für ausführliche Gespräche und Führungen zur Verfügung. Als eindrucksvolle Ergänzung dazu konnte ein Treffen mit einem Zeitzeugen organisiert werden: Der 81-jährige Hans-Joachim Mertens war 1947 mit dem so genannten „Pelzmützentransport“ aus Sachsenhausen nach Sibirien verschleppt worden. Als Lichtblick in der dreijährigen Gefangenschaft erinnert er sich an den Arbeitseinsatz in der Kolchose: „Endlich kein Stacheldraht mehr!“ Peter Erler, Historiker in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, führte Viktoria Mironowa persönlich durch das ehemalige sowjetische Speziallager und spätere Stasi-Gefängnis. „Russische Besucher verirren sich selten hierher“, stellte er fest. Was kaum verwundern mag, denn an Gedenkstätten analoger Art mangelt es in Russland. Das GULAG-Museum „Perm-36“, als Gedenkstätte Viktoria Mironowa und Peter Erler von der Gedenkstätte Hohenschönhausen
Foto: Maren Schrobar
der Geschichte politischer Repressionen auf dem Territorium eines ehemaligen sowjetischen Arbeitslagers eingerichtet, ist in seiner Form bisher einzigartig in Russland. Ein Museum auf der Lubjanka sei wohl angedacht gewesen, so Mironowa, bisher aber nie verwirklicht worden.

Viktor Belimow besuchte im Zuge seiner Recherchereise, die sich wirtschaftlichen Aspekten widmete, die Städte Frankfurt am Main, Bonn und München. Dank des hessischen Engagements konnten für ihn eine Stadtrundfahrt zum Thema Stadtplanung und -entwicklung mit Referenten des Frankfurter Stadtplanungsamtes und die Besichtigung eines Schulbauprojektes im Kreis Offenbach mit dem zuständigen Landrat Peter Walter organisiert werden. In Bonn war Viktor Belimow zu Gast in der Redaktion des „Rheinischen Merkur“ bei Chefredakteur und Koordinator der Arbeitsgruppe Medien des Petersburger Dialogs Michael Rutz. In München besuchte er die Focus-Redaktion und konnte sich außerdem in der Obersten Baubehörde und der IHK München zu den Themen Wirtschaft und Public Private Partnership-Projekte informieren.

Sergej Sumlenny beschäftigte sich bei seiner Reise ebenfalls mit zwei Schwerpunkten: dem Immobilienmarkt in Deutschland sowie der sozial-politischen Situation in den neuen Bundesländern. Zur Sprache kamen dabei Themen wie Tourismus, Rechtsradikalismus, Arbeitsplatzsituation in Ostdeutschland und das deutsch-polnische Verhältnis.

In ihren Dankschreiben betonten die Preisträger, dass die Reise ihnen nachhaltige Eindrücke und wichtiges Material geliefert habe. Viktoria Mironowa erklärte, sie werde alles dafür tun, damit die weißen Flecken in der Geschichte immer weniger würden und die Interpretationen nicht die Fakten ersetzten. Gleichzeitig hoffe sie, „dass auch in Russland, welches das ‚Jahrhundert der Lager’ ebenfalls nicht umgangen hat, Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des totalitären Regimes entstehen.“

Hier können Sie sich einige Berichte anschauen (leider nur in russischer Sprache):

AnhangGröße
Bericht Mironowa "Sibinform" Thema Lager 21.06.200746 KB
Bericht Sumlenny "Expert" Neue Bundesländer286 KB
Bericht Mironowa "Sibinform" Thema Berlin 31.05.200748.5 KB