Kultur

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Unter Leitung von Prof. Dr. Michail Borisowitsch Piotrowski und Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann hat sich die Arbeitsgruppe Kultur des 8. Petersburger Dialogs am 1. und 2. Oktober 2008 in St. Petersburg vor allem über russisch-deutsche Kooperationsvorhaben auf den Gebieten von Denkmalpflege und Architektur sowie bei der Filmförderung verständigt.

1. FILM

Anknüpfend an die Beschlüsse der AG Kultur im Rahmen des 7. Petersburger Dialogs in Wiesbaden (13.–15.07.2007) bekräftigen die Teilnehmer ihr wechselseitiges Interesse am nationalen Filmschaffen des jeweiligen Dialogpartners.

Die Arbeitsgruppe Kultur 2008• Die Teilnehmer begrüßen die fortgeschrittenen Verhandlungen über ein deutsch-russisches Filmabkommen. Für die Förderung und zur praktischen Erleichterung der deutsch-russischen Filmkooperation und Kooperationsvorhaben von deutschen und russischen Produzenten, Filmemachern, Studenten und Drehbuchautoren wurde einstimmig der Abschluss eines russisch-deutsches Filmabkommens auf der Ebene des russischen Kulturministeriums und des deutschen Beauftragten für Bundesregierung für Kultur und Medien dringlich empfohlen. Ein solches Filmabkommen könnte wesentlich zur Erleichterung der Arbeitsbedingungen der Filmschaffenden in beiden Staaten beitragen. Insbesondere zollrechtliche Vereinfachungen sind erforderlich, um einen regeren Austausch von Filmvorhaben und – vorführungen zwischen Deutschland und Russland zu gewährleisten. Die AG Kultur des Petersburger Dialogs appelliert einmütig an die politisch Verantwortlichen in Deutschland und Russland, das Abkommen so bald als möglich zu unterzeichnen. Einen geeigneten Rahmen für die Unterzeichnung könnte das Filmfestival in Cottbus („Festival des osteuropäischen Films“, 11.-16.11.2008) bieten. Denkbar wäre auch eine Unterzeichnung anläßlich der Berlinale 2009 in Berlin. Die Teilnehmer der AG Kultur des Petersburger Dialogs stimmen darin überein, dass ein solcher Zeitplan ehrgeizig ist, aber nicht überschritten werden sollte.

• Parallel dazu wird perspektivisch die Gründung einer deutsch-russischen Filmakademie angeregt, insbesondere mit dem Ziel, Inhalte und Qualität der Filme im Rahmen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu diskutieren, Podien und Erfahrungsaustausch zu ermögliche und damit Gremien zur Zusammenarbeit im Filmbereich zu schaffen. Im Rahmen eines Vorprojekts könnten durch Hospitationen die Struktur und die Ziele einer später zu gründenden bilateralen Filmakademie erschlossen werden. Vorbild für eine künftige deutsch-russische Filmakademie könnte die bestehende und erfolgreich arbeitende deutsch-französische Filmakademie sein. Als Vorstufe zur Gründung einer deutsch-russischen Filmakademie wird auch eine vorübergehende Einbeziehung russischer Filmschaffender in die deutsch-französische Filmakademie erwogen.

• Zur Realisierung dieses Vorhabens sollte das „Go East“-Festival in Wiesbaden unterstützt und einbezogen werden, an denen auch russische Hochschulen teilnehmen, organisiert vom Deutschen Filminstitut Frankfurt organisiert. Dies gilt auch für das Filmfestival Cottbus. Neue Festival-Initiativen sind nicht erforderlich, vielmehr sollten bestehende Strukturen weiter gestärkt werden.

Die Koordinatoren der AG, Prof. Piotrowski und Prof. Lehmann• Die Leiter der AG Kultur werden von den Teilnehmern gebeten, gemeinsam deutsche und russische Filmhochschulen anzusprechen und sie auf bereits bestehende und künftige Möglichkeiten der deutsch-russischen Kooperation im Filmwesen hinzuweisen.

• Die Teilnehmer verständigen sich darauf, das Thema „Film“ zum Schwerpunkt der AG Kultur bei dem nächsten Petersburger Dialog im Jahr 2009 zu machen. Erwogen wird dafür auch die festliche Aufführung einer deutsch-russischen Film-Koproduktion im Rahmen des nächsten Petersburger Dialogs 2009.

2. ARCHITEKTUR – Das Erbe der Avantgarde

Die AG Kultur des Petersburger Dialogs widmet sich seit geraumer Zeit mit großem Interesse und Engagement der Pflege, Erhaltung und Erforschung des gebauten Erbes des frühen 20. Jahrhunderts in Russland und Deutschland.

Die AG Kultur des Petersburger Dialogs hat eine Denkschrift des Internationalen Denkmalrats ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) zur Lage der Avantgarde-Denkmale und des Erbes des frühen 20. Jahrhunderts in Russland und Deutschland auf ihrer 8. Sitzung in St. Petersburg 2008 mit großer Anerkennung zur Kenntnis genommen.* Das Erbe der Moderne des 20. Jahrhunderts spielt in beiden Staaten und Gesellschaften zunehmend eine gewichtigere Rolle und hat auch als Gegenstand von Welterbe-Initiativen umfassende Bedeutung erlangt.

Der Petersburger Dialog registriert mit Genugtuung eine steigende Zahl von Projekten und Aktivitäten von staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen (NGO), von Denkmalbehörden und Hochschulen ebenso wie von Vereinen und Stiftungen, zum Schutz und zur Pflege von Denkmalen der Avantgarde und Post-Avantgarde in Russland und Deutschland. Mit großer Freude hat die AG Kultur die Präsentation eines ersten wissenschaftlichen Architekturführers zur Architektur der Avantgarde und Post-Avantgarde in St. Peterburg zur Kenntnis genommen.** Verschiedene deutsch-russische Gemeinschaftsprojekte, aber auch europaweite und internationale Kooperationsprojekte, wie der 2004 aufgenommene im Rahmen der Städtepartnerschaft Moskau-Berlin aufgenommene „Denkmaldialog“ oder die beabsichtigte Zusammenarbeit zur erhaltenden Revitalisierung der privatisierten Mendelsohn-Fabrik „Rote Fahne“ in St. Petersburg, sollten ausgebaut werden und staatlichen sowie bürgerschaftlichen Kooperationsbestrebungen auf diesem Gebiet als Ermutigung dienen.

• Wegen des öffentlichkeitswirksamen Signalcharakters wird empfohlen, dem Thema „Avantgarde und Welterbe“ besondere Aufmerksamkeit im deutsch-russischen Kulturdialog zu widmen und bereits bestehende Initiativen aufzugreifen. Das Deutsche Nationalkomitee von ICOMOS bietet – unterstützt von dem Internationalen Wissenschaftlichen ICOMOS-Komitee – den in Russland verantwortlichen Stellen an, bei der Nominierungen von Denkmalen des 20. Jahrhunderts aus Russland in die UNESCO-Welterbeliste aktiv mitzuwirken.

• Die AG Kultur regt unter dem Eindruck der „Aktionswoche Avantgarde“ zur 8. Sitzung des Petersburger Dialogs 2008 an, die deutsch-russischen Bestrebungen auf dem Gebiet der „Avantgarde-Architektur“ durch die Vorbereitung und Präsentation einer großen (Wander-)Ausstellung über deutsch-russische Wechselwirkungen der Moderne/Avantgarde und Post-Moderne/Post-Avantgarde im 20. Jahrhundert in beiden Ländern zu fördern und über die Expertenwelt hinaus einer breiten interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärt sich in Abstimmung mit der Bauhaus-Stiftung Dessau, dem Bauhaus-Archiv Berlin u. a. bereit, für die deutsche Seite die erforderliche Koordinierung zu übernehmen. Das Goethe-Institut wird um Unterstützung vor Ort in Russland gebeten und sollte als Kooperationspartner gewonnen werden.

• Eine deutsch-russische Modernisierungspartnerschaft schließt die Einbeziehung und Stärkung zivilgesellschaftlicher und privater Bestrebungen ein. Die AG Kultur des Petersburger Dialogs regt an, dass insbesondere die parteinahen deutschen Stiftungen, die als Partner den Petersburger Dialogs unterstützen, im Rahmen ihrer politischen Bildungsarbeit in Deutschland und Russland eine Plattform für den unmittelbaren Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen bürgerschaftlichen und privatwirtschaftlichen Denkmalschutzinitiativen (Vereins- und Stiftungs-initiativen, Mäzene; Privateigentümer, Investoren etc.) anbieten, die Vermittlungs- und Begegnungsmöglichkeiten zur Erhaltung und Nachnutzung von Denkmalen der Avantgarde und Postavantgarde eröffnet.

• Die Aus- und Weiterbildung von Konservatoren und Restauratoren sowie von Wissenschaftlichen Volontären und Wissenschaftlern mit abgeschlossenen Ausbildungen stellt eine unerläßliche Säule für die kompetente Erhaltung des Erbes des 20. Jahrhunderts dar. Die bereits funktionierenden Hochschulkooperationen sind weiterhin zu fördern und zu intensivieren; die Einbeziehung von Nachwuchswissenschaftlerrn wie von jungen Konservatoren und Restauratoren der Denkmalpflege in bestehende deutsch-russische Stipendien- und Austauschprogramme sollte als wichtige Zukunftsaufgabe begriffen und mit Engagement auf- und ausgebaut werden.

* Die Denkschrift ist gegen Übernahme der Versandkosten beim Petersburger Dialog erhältlich oder bei: ICOMOS Deutschland, Alter Hof 2, D-80331 München,
Tel.: +49 89 242 23784, Fax: +49 89 242 19853,
Mail: icomos@icomos.de

** Der Avantgarde-Architekturführer ist gegen Übernahme der Versandkosten erhältlich beim Denkmalschutzkomitee St. Petersburg:
Komitee für Denkmalschutz der Stadtverwaltung
St. Petersburg – KGIOP, Lomonossova Platz 1,
RUS-191011 St. Petersburg,
Tel.: +7 812 315 4303; Fax: +7 812 710 4245,
Mail: kgiop@yandex.ru