Erstmals fand auf dem Petersburger Dialog eine Preisverleihung ganz besonderer Art statt: In der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden wurden junge russische Journalisten mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreises geehrt, die sich mit Themen der deutsch-russischen Beziehungen befassen. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Frau Gabriele Krone-Schmalz, die die Preisträger vorstellte und die Preise verlieh.
Der erste Platz ging in diesem Jahr an Viktoria Mironowa (34), Direktorin des Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit und Dozentin an der Staatlichen Universität Bratsk im Gebiet Irkutsk. Für ihren Artikel „Ich kenne kein anderes solches Land (Я другой такой страны не знаю)“ führte sie Gespräche mit ehemaligen deutschen Häftlingen, die nach der Teilung 
Foto: Thomas AugstenDeutschlands aufgrund fingierter Anschuldigungen als „Arbeitssklaven“ in Stalins Gulags gebracht wurden. Die Zeitzeugen berichten von ihrer Verurteilung, ihrer Verbringung und dem Alltag im Lager. Es wird erzählt, wie sie sich ihrer unfreiwillig in der Sowjetunion verbrachten Jugend erinnern und wie sie die russische Sprache lieben gelernt haben, aber auch, dass sie keine Ressentiments gegen das russische Volk hegen. Die Bewertung der Jury fällt daher eindeutig aus: „Viktoria Mironowa hat in ihrem Beitrag ein eindrucksvolles Thema bearbeitet. Sie hat dafür eine überzeugende Recherchearbeit geleistet und eine eigene Sichtweise entwickelt. Mironowas Artikel macht Lust darauf, mehr über die Protagonisten zu erfahren.“
Der 2. Preis wurde verliehen an Sergej Sumlenny (26), derzeit in Deutschland als Korrespondent des russischen Politik- und Wirtschaftsmagazins „Expert“ tätig. In seinem Beitrag „Operiert Euch selbst (Оперируйте себя сами)“, beschreibt er die Gesundheitsreform in Deutschland. Er berichtet über die Situation der Ärzte, Krankenhäuser und Patienten, über die 
Foto: Thomas Augsten Probleme der Krankenversicherungen, über die unterschiedlichen Reformvorschläge der politischen Parteien sowie über die Schwierigkeit einer grundlegenden Reformierung des Gesundheitswesens. Die Jury meint dazu: „Sergej Sumlennys Text ist fundiert, sauber recherchiert und fehlerfrei erzählt. Er bietet einen sachgerechten Einstieg in die komplexe Thematik mit einem nüchternen Hieb gegen die Korruption im Gesundheitswesen.“
Viktor Belimow (32), zuletzt ebenfalls beim Magazin „Expert“ als Chefredakteur der Regionalausgabe Ural und derzeit als freier Journalist tätig, wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. In seinem Beitrag „Das Ende der Romantik (Конец эпохи романтизма)“ bereitet er die Geschichte der deutsch- russischen Wirtschaftsbeziehungen in der Ural-Region auf, die noch in der Ära Jelzin begonnen haben als Kooperation zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Gebiet Swerdlowsk. Belimow zeigt, wie die anfängliche „romantische“ Aufbruchstimmung heute einem gesunden Pragmatismus gewichen ist. Für die Mitglieder der Jury zeichnet sich sein Artikel „durch eine historisch gründliche Darstellung aus. Der Autor hat spürbar Wert auf Ausgewogenheit gelegt und beleuchtet deutsche und russische Positionen mit gleicher Intensität.“
Allen Preisträgern wurde neben der „Silbernen Feder“, einem Füllfederhalter mit Preisgravur, ein Gutschein über eine zehntägige Recherchereise durch Deutschland überreicht. Die Erstplatzierte Viktoria Mironowa erhielt zusätzlich 3.000 Euro Preisgeld.