Herr Präsident, liebe Co-Vorsitzende Gorbatschow und Boenisch,
ich freue mich sehr, dass ich die Teilnehmer des Petersburger Dialogs hier persönlich begrüßen kann, und noch mehr freue ich mich natürlich über die Anwesenheit von Präsident Putin im Rahmen des deutsch-russischen Dialogs, der jährlich stattfindenden Konsultationen.
Weimar – das ist natürlich, wie man in Russland ebenso weiß wie in Deutschland, ein Ort von hoher Symbolkraft; und zwar Symbolkraft keineswegs nur politisch, sondern bezogen auf das, was wir mit unserem Dialog erreichen wollen, nämlich die Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Kultur und zivile Courage, ziviles Verhalten, das passt sehr gut mit Weimar zusammen. Ich muss die Großen, die hier gelebt und gewirkt haben nicht nennen. Ich denke, das wird einem unmittelbar präsent, wenn man durch die Stadt geht. Selbst wenn man nur sehr kurze Zeit hier ist, spürt man etwas von der kulturellen Bedeutung dieser großartigen Stadt.

Foto: Daniel Biskup Die Parallelität des Petersburger Dialogs und unserer Regierungskonsultationen ist keineswegs zufällig. Das ist durchaus etwas, was einander ergänzen soll. Wir meinen schon, dass es für die Perspektiven unserer Länder, unserer Völker wichtig ist, dass es gutnachbarschaftliche Beziehungen auf der Ebene der Regierungen gibt. Diese können ergänzt werden durch eine sehr enge, auch persönliche Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen. Ich freue mich sagen zu können, dass das der Fall ist, dass unsere Zusammenarbeit auch freundschaftliche Züge hat, die man gar nicht hintanstellen sollte. Aber mindestens so wichtig wie gute Kontakte auf der Ebene von Präsident und Regierung in Russland und Regierung hier sind vertiefte Kontakte zwischen den Menschen in unseren beiden Ländern, zumal den jungen Menschen. Ich glaube, dass der Petersburger Dialog das Forum ist, um diese Vertiefung der Kontakte in die zivile Gesellschaft hinein zu erreichen. Deswegen bin ich sehr froh darüber, dass es einige wichtige Schwerpunkte gibt, die Sie selber auch vorgeschlagen haben, beispielsweise den Jugendaustausch, bei dem wir weiter gekommen sind, beispielsweise die Spracholympiade, die im Mai in Moskau stattfinden wird.
Ich finde, dass in diesem Dialog auch deutlich wird, dass die maßgebliche Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen – und das in einem Ausmaß, das man vielleicht zu Beginn dieses Dialogs so nicht für möglich gehalten hätte – eine wichtige Grundlage für das Funktionieren einer Zivilgesellschaft ist. Die Politik Präsident Putins hat wirklich bahnbrechende Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ein solcher Dialog möglich gewesen ist. Das, was er nicht nur im Rahmen der Anti-Terror-Koalition, sondern auch an kultureller, ökonomischer und politischer Zusammenarbeit mit dem Westen, nicht nur Europas, sondern auch darüber hinaus, organisiert und durchgesetzt hat, ist durchaus etwas, was man als epochal bezeichnen kann. Und die Beziehungen, insbesondere die ökonomischen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland, haben in den letzten Monaten und Jahren eine Dynamik erreicht, wie es viele auch nicht erhofft hätten. Ich bin übrigens ganz sicher, dass das Ergebnis der Konsultationen hier in Weimar – und das deutet sich schon an – Enormes zur Beförderung dieses wirtschaftlichen Aus-tausches beitragen wird.
Ich will hier die Gelegenheit nutzen, um dem Präsidenten und seinem Kulturminister ausdrücklich für das zu danken, was in Verbindung mit den Frankfurter Kirchenfenstern ermöglicht worden ist. Ich denke, das war eine Geste, die sehr großherzig war und die in Deutschland, und nicht nur dort, in den Feuilletons unserer Zeitungen mit großer Freude aufgenommen worden ist.
Ich freue mich darüber und ich sehe es als ein Verdienst der beiden Co-Vorsitzenden an, dass hier, in den sechs Arbeitsgruppen, die es gegeben hat und weiter geben wird, die Breite der Diskussion deutlich wird. Ich denke, wir können alle zufrieden sein mit dem, was in der kurzen Zeit, in der es diesen Dialog gibt, erreicht worden ist. Wenn ich das so sagen darf, Herr Vorsitzender Gorbatschow, es ist nicht nur eine Ehre, lebenslang verpflichtet zu sein – in welchem Amt auch immer. Ein Leben lang verpflichtet zu sein, für die deutsch-russischen Beziehungen einzutreten, ist etwas, was auch über die unmittelbare aktive Zeit hinausreichen kann und hinausreichen soll und ich glaube, ganz viele Deutsche und Russen haben damit nicht die geringste Schwierigkeit, in welcher Funktion auch immer Sie gerade tätig sind. Insofern, diese Aufforderung ehrt und wird auch von ganzem Herzen befolgt werden.
In diesem Sinne noch einmal vielen Dank an beide Co-Vorsitzende, dass Sie sich um diesen Dialog verdient gemacht haben, dass Sie es sind, die ihn eigentlich befördern und führen. Wir können anregen, aber wir können ja nicht den Dialog selber führen, das wäre einer nur unter uns, und das wäre zu wenig. Also Ihnen allen ganz herzlichen Dank für Ihre Arbeit, für das Engagement, das Sie in die deutsch-russischen Beziehungen stecken. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Geschichte kann man wirklich sagen, dass es lohnt, eine solche Perspektive in die deutsch-russischen Beziehungen zu bringen, und zwar nicht nur lohnt im streng ökonomischen Sinne – das auch –, sondern vor allen Dingen lohnt, weil dadurch die Menschen in unseren Ländern näher zusammengebracht werden und eine alte, wie ich denke, sehr emotionale, weil sehr tiefe Beziehung, damit wieder zu noch mehr Leben erweckt werden kann. Noch einmal herzlichen Dank für Ihre Arbeit und noch einmal auch hier herzlich willkommen, Wladimir Putin.
