Kultur

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„Wie geht es weiter nach den deutsch-russischen Kulturjahren im Hinblick auf das Erinnerungsjahr 2005?“

Koordinatoren
Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Prof. Dr. Michail Piotrowski, Direktor, Staatliche Eremitage St. Petersburg

Die Arbeitsgruppe Kultur hat bei ihren Initiativen und Projekten darauf geachtet, vorhandene institutionelle Strukturen zu nutzen und zu stärken, den Jahrhunderte alten Kulturdialog zwischen Russland und Deutschland – nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts – neu zu beleben und konkrete Kooperationsprojekte aufgrund von Entwicklungsfähigkeit und Nachhaltigkeit auszuwählen. Diese Vorgehensweise hat zu beachtlichen Ergebnissen geführt. So wurde der von der Gruppe entwickelte Konzeptvorschlag der deutsch-russischen Kulturbegegnungen 2003/2004 konsequent von beiden Regierungen umgesetzt. In mehr als 400 Veranstaltungen zeigte sich das jeweilige Land mit seinen verschiedenen Kunst- und Kultursparten. Höhepunkt war sicher die Ausstellung „Moskau-Berlin, 1950 bis heute“, die in beiden Hauptstädten erfolgreich präsentiert wurde. Die deutsch-russischen Kulturbegegnungen waren nicht nur eine Leistungsschau für die Metropolen, sondern ein Programm auch für die Fläche. Die junge Generation konnte durch neue Vermittlungsformen erreicht werden, klassische und zeitgenössische Segmente öffneten ein weites Spektrum. Die Arbeitsgruppe entwickelte Initiativen für Austauschprogramme in verschiedenen Sparten: Theater, Musik, Museen, Film und Literatur. Während der Austausch bei Museumswissenschaftlern inzwischen ein wirkliches Kursprogramm geworden ist, bezieht es sich bei den anderen Sparten mehr auf Zusammenarbeit in Einzelprojekten und Koproduktionen. Hier bedarf es noch einer entsprechenden Intensivierung. Der Russland-Schwerpunkt der Buchmesse Frankfurt 2003 wurde genutzt, um Literaturübersetzungen stärker zu befördern. Dies ist teilweise geglückt. Übersetzungen zeitgenössischer Literatur aus dem Deutschen ins Russische sind noch entwicklungsfähig. Über definierte Kulturwochen sollen entsprechende Aktivitäten gebündelt werden. Die Gruppe befasste sich intensiv mit der Aufarbeitung des 2. Weltkrieges und seinen Folgen für beide Völker. Die Beutekunst wurde in ungewöhnlich offener Diskussion behandelt. Bis auf die Rückkehr der Marienfenster Frankfurt/Oder konnten konkrete Ergebnisse hier nicht erreicht werden. Trotzdem ist man sich einig, die schwierigen kulturellen, politischen und juristischen Fragen weiter zu verhandeln. Für das Jahr 2005 – 60 Jahre nach Kriegsende – wurden vorbereitende Aktivitäten besprochen, darunter auch die Darstellung des Krieges in Schul- und Lehrbüchern, die Fragen der Migration, das Thema Königsberg/Kaliningrad (750 Jahre Stadtjubiläum im Jahr 2005). Es gab auch sehr praktische Maßnahmen wie Ausstellungsprojekte, Denkmalschutz und Restaurierung, der Aufbau von Internetseiten als deutsch-russisches Kulturportal, um über Initiativen, Projekte und Organisationen aktuell informiert zu sein (Evidenzzentrum) oder Stärkung von Städtepartnerschaften. Ein Thema, das in der Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird, ist der Auf- und Ausbau kultureller Beziehungen nach der EU-Erweiterung. Europa darf nicht zu einer „kulturellen Festung“ werden, sondern muss im Gegenteil die Kultur nutzen, um grenzüberschreitend zu agieren. Hier haben Deutschland und Russland aufgrund ihrer besonderen Beziehung eine wichtige Aufgabe. Ihr Kulturdialog ist keine Angelegenheit nach dem Muster des Warenaustausches, sondern eine gegenseitige Inspiration. Der Petersburger Dialog bietet dazu geeignete Voraussetzungen.