„Historische Kulturbauten und Denkmalschutz“
„Avantgarde“
„Städtebauliche Entwürfe“
Koordinatoren
Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Prof. Dr. Michail Piotrowskij, Direktor, Staatliche Eremitage St. Petersburg
Die AG Kultur hat, wie die AG Bildung, Wissenschaft und Gesundheitsvorsorge, mehrere Themen auf ihrer Agenda, die im Folgenden näher beschrieben sind.
Kooperationsvorhaben mit dem Staatlichen Lew-Tolstoi-Museum Jasnaja Poljana / Stiftung Schloss Neuhardenberg
Mit der Kooperation zwischen dem Staatlichen Lew Tolstoi Museum Jasnaja Poljana und der Stiftung Schloss Neuhardenberg werden zwei profilierte Institutionen in der Russischen Föderation und in Deutschland zusammengeführt, die aufgrund ihrer Bindung an große Persönlichkeiten der Geschichte – den großen Schriftsteller Lew Tolstoi und den bedeutenden Staatskanzler und Reformer Karl August 
Foto:Thomas Augsten Fürst von Hardenberg – für die Verfolgung bestimmter politischer und kultureller Ziele stehen und sich in den vergangenen Jahren bereits ein deutliches Profil erarbeitet haben.
Die Kooperation dient der gebotenen Vertiefung des deutsch-russischen Miteinanders und der deutsch-russischen Verständigung auf der Basis kulturellen Austauschs. Sie besteht in der kontinuierlichen, im Laufe der Jahre wachsenden Arbeit an gemeinsam beschlossenen Themen, Aufgaben und Projekten, unter anderem auf den Feldern Kultur, Religion, Bildung und Jugend, Gewaltverzicht, Menschenrechte, Gleichheit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Näheres ist im detaillierten Kooperationskonzept enthalten.
Die einzelnen Kooperationsfelder:
1. Debatten und Gespräche unter dem Titel „Nationen-Diskurse“
2. Musikalische Workshops unter der Leitung großer Musikerpersönlichkeiten und mit einem temporären internationalen Jugendorchester
3. Gemeinsame Theaterproduktionen auf den Arealen beider Institutionen
4. Gemeinsame Konzertreihen zu Klassik, Jazz und World Music
5. Stipendien und geförderte Aufenthalte von Autoren in Jasnaja Poljana und Neuharden-berg in Kooperation mit russischen und deutschen Verlagen und Literaturinstitutionen
6. Binationale Dichterlesungen
7. Ein Ausstellungsvorhaben unter dem Titel „Russland und Deutschland – ein Verhältnis“ zu den wechselvollen Beziehungen dieser Länder in Literatur, Kunst, Politik und Gesellschaft
Die Kooperation realisiert sich auf der Basis regelmäßiger Planungsgespräche in der Schaffung gemeinsamer Organisations- und Umsetzungsstrukturen sowie der Publizierung und Durchführung der Vorhaben. Dabei trägt jede Institution die bei ihr anfallenden Kosten selbst. Alle Details werden in einem Kooperationsvertrag geregelt, der im Oktober 2006 unterzeichnet wird. Erste Projekte sollen bereits im zweiten Halbjahr 2007 realisiert werden.
Schrumpfen und Wachsen – Städtebauliche Entwicklung in Russland und Deutschland
Aufgrund vielfältiger politischer, ökonomischer und demographischer Faktoren schrumpfen derzeit viele Städte in Deutschland und in Russland. Sinkende Lebenserwartungen, dramatische Bevölkerungsverluste, Fabriksterben, massenhafter Leerstand von Wohnungen, Wegfall von Steuereinnahmen, Fortzug von jungen Leuten sind dabei einander verstärkende Phänomene, die die betroffenen Städte vor teils massive Schwierigkeiten stellen, zumal in bestimmten Regionen Ostdeutschlands und Sibiriens, die von den wirtschaftspolitischen Umstellungen nach 1989 besonders hat getroffen sind und die sozialen wie urbanen Konsequenzen des Schrumpfens nur begrenzt abfedern können. Nach einem Bericht des DIW Berlin ist die Bevölkerung Russlands von 1992 bis Anfang 2000 um knapp drei Millionen Menschen gesunken, bis zum Jahr 2016 wird von russischen Demographen ein Bevölkerungsrückgang auf eine Größenordnung von 125 statt der gegenwärtig 146 Millionen Einwohner erwartet. Präsident Putin warnte bereits vor Jahren, die demographische Situation seines Landes sei „alarmierend“, das „Überleben der Nation“ in Gefahr.
Anders als in Deutschland stehen in Russland den vom Niedergang gezeichneten Regionen und Städten regelrechte boomtowns mit enormen Wachstumsraten und starkem Expansionsdrang in die Peripherie gegenüber. Der Ausbau Moskaus und Petersburg etwa geht, auch unter Beteiligung deutscher Architekten und Investoren, in Schwindel erregendem Tempo voran, ganze Stadtteile werden an den Rändern der Großstädte aus dem Boden gestampft, mit allen bekannten Folgen starken Stadtwachstums für Umwelt, Menschen und Infrastruktur.
Eine gemeinsame Tagung deutscher und russischer Wissenschaftler, Architekten, Stadtplaner und Fachpolitiker in je einer deutschen und einer russischen Stadt, die besonders mit Schrumpfungsprozessen konfrontiert ist, könnte Unterschiede und Parallelen der Umbrüche und Veränderungen ausmachen, den Erfahrungsaustausch fördern, gelungene Gegen-Strategien im Sinn eines „best practice“-Vergleichs identifizieren und Kooperationen zwischen deutschen und russischen Betroffenen anregen. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei auch die Rolle finden, die Künstler und Kulturinstitutionen in der Auseinandersetzung mit den Veränderungen der Städte in beiden Ländern spielen und spielen können.
Konferenzen in St. Petersburg und Berlin zum Thema:
Welterbe Weiterbauen
Mit dem bislang im Rahmen des Petersburger Dialoges noch kaum berührten Themenfeld der Baukunst wurde 2005 ein neuer Schwerpunkt der künftigen gemeinsamen Arbeit im Bereich Kultur benannt. In Russland wie in Deutschland kommt diesem Themenbereich für die kulturelle, urbane und gesellschaftliche Entwicklung gleichermaßen vitale Bedeutung zu.
Andererseits resultieren aus den unterschiedlichen kulturellen Traditionen beider Länder unterschiedliche gesellschaftliche Haltungen zur Architektur und ihrer Bedeutungsebene als geschichtstragendes Element, die ein weites Feld für einen interessanten und fruchtbaren Dialog eröffnen.
Unter dem Titel „Welterbe weiterbauen – Strategien, Methoden und Lösungen für die zukunftsorientierte Entwicklung herausragender Baudenkmale“ soll im Rahmen zweier gemeinsam getragener Tagungen in St. Petersburg und Berlin die vielschichtige Problematik der Bewahrung und Fortschreibung des baukulturellen Erbes exemplarisch an herausragenden Fallbeispielen diskutiert werden. Thematisiert werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die Kontinuitäten und Veränderungen, die Potentiale und die Gefahren des „Weiterbauens“ im historischen Kontext.
Im Mittelpunkt stehen bauliche Ensembles, deren Status als Stätten des Weltkulturerbes außerordentliche Entwicklungschancen, aber auch außerordentliche Anforderungen und eine besondere Verantwortung mit sich bringt: die Museumsinsel Berlin, die Staatliche Eremitage St. Petersburg sowie ausgewählte Schloss- und Gartenanlagen in beiden Ländern.