Beziehungen zwischen Bayern und Russland

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Zwischen Bayern und Russland gibt es vielfältige Beziehungen und Kontakte. Das Spektrum reicht von enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit über kommunale Partnerschaften bis zur grenzüberschreitenden Kooperation zwischen Universitäten, Museen oder Bibliotheken.

Zwischen Bayern und Russland gibt es vielfältige Beziehungen und Kontakte. Das Spektrum reicht von enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit über kommunale Partnerschaften bis zur grenzüberschreitenden Kooperation zwischen Universitäten, Museen oder Bibliotheken. Besondere Bedeutung haben auch die Aktivitäten privater sozialer Einrichtungen sowie die ökumenischen Kontakte der Kirchen.

Gemeinsam ist diesen so unterschiedlichen Aktivitäten eines: Sie haben sich seit 1990 äußerst rasch und intensiv entwickelt, dabei konnte aber vielfach an weit zurückreichende Verbindungen und Traditionen angeknüpft werden, die auch durch die geschichtlichen Katastrophen, die das 20. Jahrhundert prägten, nie völlig ausgelöscht wurden. So blieb beispielsweise Deutsch bis in die Gegenwart die wichtigste Fremdsprache an russischen Bildungseinrichtungen, Russisch war stets (allerdings in sehr viel bescheidenerem Maßstab) Schulfach in bayerischen Gymnasien. Literatur, Theater, Musik und darstellende Kunst waren auch unter den widrigsten historischen und politischen Bedingungen Bindeglieder zwischen den Menschen.

Der Grundstein für die Entwicklung politischer Kontakte wurde mit dem Flug von Ministerpräsident Franz Josef Strauß nach Moskau im Dezember 1987 und dem Treffen mit dem damaligen Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow gelegt. Während diese Reise noch in der Endphase des Kalten Krieges stattfand, fiel der erste Besuch des damaligen bayerischen Innenministers Dr. Edmund Stoiber in Moskau im Jahr 1990 bereits in die Phase der Transformation. Damals wurden Gesprächskontakte geknüpft, die über die unruhigen ersten Jahre des postsozia-listischen Russland hinweg gepflegt wurden, so etwa mit dem heutigen Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkow. In diese Zeit reicht auch die Zusammenarbeit zwischen der bayerischen Polizei und der Miliz der Stadt Moskau zurück, die zu einem wichtigen Element der Vertrauensbildung wurde, aber auch für die Gewähr-leistung der inneren Sicherheit im Zeitalter offener Grenzen von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Seit 1990 besuchten zahlreiche Moskauer Polizeibeamte  Einrichtungen der bayerischen Polizei, um dort Erfahrungen zu sammeln und sich in die Organisation, Arbeitsweise, Ausbildung und Ausrüstung der bayerischen Polizei einweisen zu lassen, umgekehrt hielten sich bayerische Polizeibeamte in Moskau auf, auch weiterhin ist der Austausch von Experten verschiedener Fachrichtungen vorgesehen.

Aber auch auf vielen anderen Gebieten gibt es erfolgreiche Kooperationsvorhaben. Besondere Höhepunkte der Zusammenarbeit waren die Moskauer Tage in Bayern 1999, die Bayerischen Tage in Moskau 2001 und die Moskauer Tage in Bayern vom 20. bis 27. Oktober 2006. Jährlich finden Tage der bayerischen Wirtschaft in Moskau und Tage der Moskauer Wirtschaft in Bayern statt.

Besonders eng ist auf kulturellem Gebiet die Zusammenarbeit  mit dem Museum der Geschichte der Stadt Moskau. So fand Ende 2003/Anfang 2004 im Bayeri-schen Hauptstaatsarchiv eine  Ausstellung zum 200. Geburtstag des russischen Dichters und Diplomaten Fjodor Tjutschew statt, der in der Russischen Gesandtschaft in München tätig war und insgesamt mehr als zwanzig Jahre seines Lebens in Bayern verbrachte. Die hier mit Heinrich Heine geschlossene Freundschaft wurde von großer Bedeutung für die literarischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland: Die Gedichte Heines wurden dem russischen Lesepublikum erstmals durch die Übersetzungen Tjutschews bekannt. Seit Dezember 2003 erinnert auch eine lebensgroße Bronzefigur im Finanzgarten(unweit der Ludwigsstraße) an Fjodor Tjutschew. 2006 war, ebenfalls im Hauptstaatsarchiv eine Ausstellung über russische Avantgardekunst und -architektur aus den Beständen des Museums der Geschichte der Stadt Moskau zu sehen, für 2009 und 2010 ist eine Doppelausstellung über die Entwicklung Moskaus und München zwischen 1813 und 1914 geplant, die zuerst in München, dann in Moskau gezeigt wird.

Über die Stadt Moskau hinaus gehen insbesondere die wissenschaftlichen und kulturellen Kontakte bayerischer Institutionen. Es bestehen insgesamt mehr als 60 Partnerschaften zwischen bayerischen Universitäten und Fachhochschulen und entsprechenden Einrichtungen in zahlreichen russischen Regionen. Insbesondere die Universitäten Erlangen-Nürnberg, Ludwig-Maximilians-Universität und Technische Universität München, Passau, Würzburg, Bayreut, Augsburg und Regens-burg haben Kontakte zu russischen Hochschuleinrichtungen, z.T. in Form von Hochschulpartnerschaften, überwiegend aber in Form von Einzelkooperationen auf Instituts- und Lehrstuhlebene aufgebaut.

Darüber hinaus trägt eine ganze Fülle von zum Teil sehr traditionsreichen, zum Teil aber auch noch ganz jungen Einrichtungen und Organisationen dazu bei, dass in nahezu allen Lebensbereichen ein intensiver Austausch stattfindet und in Bayern, vor allem in München, russische Kultur und Lebensart präsent sind. Besonders aktiv ist das Zentrum russischer Kultur in München MIR mit seinen zahl-reichen Konzerten, literarischen Abenden und Publikationen. So wird z.B. in die-sem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen der 200. Geburtstag von Nikolaj Gogol begangen. Zu nennen ist  aber auch die Münchner Tolstoi-Bibliothek mit ihren mehr als 40.000 Bänden Literatur in russischer Sprache und das damit in Verbindung stehende Hilfs- und Kulturwerk.

Bertold Flierl, Bayerische Staatskanzlei